Research-Bericht zu den gesundheitlichen Effekten von regelmäßigem Armkreisen

Armkreisen ist eine einfache dynamische Bewegungsübung für Schulter und Schultergürtel. Sie eignet sich vor allem zur Mobilisation, zum Aufwärmen und zur Förderung der Bewegungskoordination. Wissenschaftlich ist allerdings wichtig zu unterscheiden, ob die gesundheitlichen Wirkungen von Armkreisen selbst untersucht wurden oder ob Erkenntnisse aus verwandten Schulterübungen auf das Armkreisen übertragen werden. Für Armkreisen als isolierte Übung gibt es bislang nur wenig hochwertige wissenschaftliche Evidenz. Wesentlich besser untersucht sind aktive Schulterübungen im Allgemeinen, insbesondere Übungen zur Bewegungskontrolle, Beweglichkeit und Kräftigung.

Beim Armkreisen werden die Arme wiederholt in annähernd kreisförmigen Bewegungen geführt. Dabei entstehen kombinierte Bewegungen des Schultergelenks und des Schulterblatts. Je nach Größe und Geschwindigkeit der Kreise verändern sich Bewegungsumfang und Belastung. Kleine und langsam ausgeführte Kreise erfordern eine geringere Gelenkauslenkung und eignen sich deshalb besonders zum Aufwärmen und zur kontrollierten Mobilisation. Große Kreise beanspruchen einen größeren Bewegungsumfang und stellen höhere Anforderungen an die Beweglichkeit und Kontrolle des Schultergürtels. Schnelle Armkreise erhöhen zusätzlich die dynamische Belastung. Armkreisen kann im Sitzen oder Stehen sowie einarmig oder beidarmig ausgeführt werden. Im Sitzen ist die Gleichgewichtsanforderung geringer, während die Ausführung im Stehen zusätzlich eine gewisse Stabilisierung des Rumpfes verlangt.

Kontrolliertes Armkreisen aktiviert verschiedene Muskeln im Bereich von Schulter und Schulterblatt und bewegt die beteiligten Gelenke durch unterschiedliche Bewegungsrichtungen. Für Menschen mit Schulterbeschwerden ist aktive Bewegungstherapie insgesamt wissenschaftlich gut untersucht. Die Leitlinie zur Rotatorenmanschetten Tendinopathie aus dem Jahr 2025 empfiehlt aktive Rehabilitation einschließlich Übungen zur Bewegungskontrolle und zum Muskelaufbau. Eine randomisierte Studie mit 138 Personen zeigte ebenfalls Verbesserungen von Schmerzen, Funktion, Beweglichkeit und Kraft durch aktive konservative Behandlung und neuromuskuläres Schultertraining. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass unbelastetes Armkreisen allein zu einem relevanten Muskelaufbau oder einer deutlichen Kraftsteigerung führt. Dafür ist die wissenschaftliche Evidenz nicht ausreichend.

Auch Auswirkungen auf Durchblutung, Herz Kreislauf System und Atmung müssen differenziert betrachtet werden. Intensive Oberkörperarbeit kann den Sauerstoffverbrauch, die Herzfrequenz und die Atmung erhöhen. Untersuchungen mit Arm Ergometern zeigen eindeutig, dass körperliche Arbeit mit den Armen eine messbare kardiorespiratorische Belastung erzeugt. Normales unbelastetes Armkreisen ist allerdings wesentlich weniger intensiv. Eine kurzfristige Steigerung des lokalen Stoffwechsels und des Durchblutungsbedarfs während der Bewegung ist physiologisch plausibel. Für die Behauptung, dass wenige Minuten Armkreisen täglich zu einer nachhaltigen Verbesserung der Herz Kreislauf Fitness oder der allgemeinen Durchblutung führen, gibt es jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.

Ein weiterer möglicher Nutzen betrifft Koordination und Körperwahrnehmung. Bei kreisförmigen Bewegungen muss das Nervensystem die Stellung der Schulter und die Bewegungsrichtung kontinuierlich kontrollieren. Dadurch werden koordinative Prozesse angesprochen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu Übungen für Bewegungskontrolle und Propriozeption zeigen, dass solche Trainingsformen bestimmte Aspekte der Gelenkwahrnehmung verbessern können. Bei Menschen mit Schmerzen der Rotatorenmanschette konnte durch zusätzliche propriozeptive Übungen jedoch bislang kein eindeutiger zusätzlicher Vorteil hinsichtlich Schmerzen oder Alltagsfunktion gegenüber Krafttraining allein nachgewiesen werden. Spezifische langfristige Effekte von Armkreisen auf die Propriozeption sind daher wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht.

Bei Schulterbeschwerden kann schmerzfrei oder schmerzarm ausgeführtes Armkreisen Bestandteil einer aktiven Rehabilitation oder eines Aufwärmprogramms sein. Es sollte jedoch gezieltes Krafttraining und Übungen zur Bewegungskontrolle nicht ersetzen. Studien zu subakromialen Schulterbeschwerden zeigen, dass progressive Übungsprogramme Schmerzen und funktionelle Einschränkungen reduzieren können. Spezielle Übungen zur Stabilisierung des Schulterblatts können zudem bestimmte Bewegungsmuster beeinflussen, bringen aber nicht in jedem Fall einen zusätzlichen Vorteil bei der Schmerzreduktion. Die Behandlung sollte deshalb an die individuellen Beschwerden und funktionellen Einschränkungen angepasst werden.

Auch bei unspezifischen Nackenschmerzen können Bewegung und körperliche Aktivität hilfreich sein. Die deutsche S3 Leitlinie zu unspezifischen Nackenschmerzen empfiehlt körperliche Aktivität und insbesondere bei chronischen Beschwerden Bewegungstherapie. Eine Metaanalyse von acht randomisierten Studien mit insgesamt 313 Personen fand Hinweise darauf, dass auf das Schulterblatt ausgerichtete Therapie die Schmerzintensität bei chronischen Nackenschmerzen reduzieren kann. Ein eindeutiger Effekt auf die nackenspezifische funktionelle Einschränkung wurde dagegen nicht festgestellt. Daraus lässt sich ein möglicher Nutzen von Bewegungen des Schultergürtels ableiten, nicht jedoch ein spezifischer therapeutischer Effekt von Armkreisen.

Für die Vorbeugung von Stürzen bei älteren Menschen reicht Armkreisen allein nicht aus. Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen deutliche Vorteile von Trainingsprogrammen, die Gleichgewicht, funktionelle Bewegungen und Muskelkraft trainieren. Eine große Übersichtsarbeit mit 116 Studien und mehr als 25000 älteren Menschen zeigte, dass geeignete Bewegungsprogramme die Sturzrate um ungefähr 23 Prozent reduzieren können. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt älteren Menschen deshalb ein vielseitiges Training mit besonderem Schwerpunkt auf funktionellem Gleichgewicht und Kraft. Armkreisen kann dabei als ergänzende Mobilisations oder Koordinationsübung eingesetzt werden, ersetzt jedoch kein gezieltes Gleichgewichts und Krafttraining.

Eine wissenschaftlich gesicherte optimale Trainingsdauer für Armkreisen existiert nicht. Als vorsichtige praktische Orientierung können Anfänger mit etwa 30 bis 60 Sekunden pro Bewegungsrichtung beginnen und ein bis zwei Durchgänge absolvieren. Kleine bis mittelgroße Kreise sollten zunächst langsam und kontrolliert ausgeführt werden. Fortgeschrittene können die Dauer und den Bewegungsumfang schrittweise erhöhen. Bei älteren oder körperlich eingeschränkten Personen kann die Übung im Sitzen oder mit einer sicheren Abstützmöglichkeit durchgeführt werden. Große und schnelle Kreise sowie die Verwendung zusätzlicher Gewichte erhöhen die mechanische Belastung und sind nicht automatisch gesundheitlich wirksamer.

Besondere Vorsicht ist bei akuten Verletzungen, starken oder neu auftretenden Schmerzen, deutlicher Muskelschwäche, Schulterinstabilität oder nach Schulteroperationen erforderlich. Nach einem Unfall oder bei Verdacht auf eine größere strukturelle Schulterverletzung sollte die Ursache zunächst medizinisch abgeklärt werden. Gleiches gilt bei neurologischen Symptomen oder anderen Warnzeichen. Nach Operationen müssen die individuell vorgegebenen Belastungsgrenzen eingehalten werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass regelmäßiges Armkreisen eine unkomplizierte und leicht zugängliche Möglichkeit darstellt, Schulter und Schultergürtel aktiv zu bewegen. Besonders plausibel sind kurzfristige Vorteile hinsichtlich Mobilisation, Aufwärmung, Muskelaktivierung und Bewegungskoordination. Armkreisen lässt sich zudem ohne Geräte und nahezu überall durchführen. Die wissenschaftliche Datenlage rechtfertigt jedoch keine weitreichenden Aussagen, wonach Armkreisen allein dauerhaft die Herz Kreislauf Fitness verbessert, Muskelkraft deutlich steigert, Rückenschmerzen verhindert oder Stürze reduziert. Für solche gesundheitlichen Ziele sind umfassendere Bewegungsprogramme erforderlich, die je nach Ziel Ausdauertraining, Krafttraining, Gleichgewichtstraining und gezielte Mobilitätsübungen miteinander verbinden.

Zu den wichtigsten wissenschaftlichen Quellen gehört die randomisierte Studie von Ginn und Cohen aus dem Jahr 2005 mit dem Titel Exercise therapy for shoulder pain aimed at restoring neuromuscular control. In dieser Untersuchung mit 138 Personen wurde der Nutzen aktiver neuromuskulärer Schultertherapie untersucht. Die Studie belegt jedoch nicht die isolierte Wirkung von Armkreisen.

Eine weitere relevante Untersuchung stammt von Dubé und Mitarbeitern aus dem Jahr 2023. In der randomisierten Studie mit 123 Erwachsenen wurden Krafttraining und Übungen zur Bewegungskontrolle bei rotatorenmanschettenbezogenen Schulterschmerzen untersucht. Die Ergebnisse zeigten keine klinisch relevanten zusätzlichen Effekte gegenüber einer guten Patientenedukation allein.

Buccioli und Mitarbeiter untersuchten im Jahr 2025 in einer randomisierten Studie mit 70 Personen die Kombination aus Krafttraining und propriozeptiven Übungen. Die zusätzlichen propriozeptiven Übungen zeigten hinsichtlich Schmerzen und funktioneller Einschränkungen keine eindeutige Überlegenheit gegenüber dem Krafttraining.

Turgut und Mitarbeiter untersuchten 2017 Übungen zur Stabilisierung des Schulterblatts bei subakromialen Schulterbeschwerden. Progressive Bewegungstherapie reduzierte Schmerzen und funktionelle Einschränkungen. Spezifische Schulterblattübungen konnten darüber hinaus bestimmte Aspekte der Bewegungsmechanik beeinflussen.

Schrieks und Mitarbeiter veröffentlichten 2011 eine physiologische Vergleichsstudie zu Arm Ergometer und Laufbandbelastungen. Die Untersuchung liefert Informationen über Sauerstoffaufnahme, Herzfrequenz und Atmung bei körperlicher Arbeit mit den Armen. Die Ergebnisse sind für die physiologische Einordnung von Armbewegungen relevant, können jedoch nicht unmittelbar auf leichtes Armkreisen übertragen werden.

Chen und Mitarbeiter veröffentlichten 2024 eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu schulterblattbezogener Therapie bei chronischen Nackenschmerzen. Acht randomisierte Studien mit insgesamt 313 Personen wurden ausgewertet. Die Ergebnisse lieferten Hinweise auf eine Verringerung der Schmerzen, jedoch keinen eindeutigen Effekt auf die funktionellen Einschränkungen.

Lafrance und Mitarbeiter veröffentlichten 2024 eine systematische Evidenzsynthese zur Bewegungstherapie bei rotatorenmanschettenbezogenen Schulterschmerzen. Die Ergebnisse zeigen, dass Übungen zur Bewegungskontrolle möglicherweise geringfügige Vorteile gegenüber unspezifischen Übungen besitzen können. Insgesamt waren die Unterschiede zwischen verschiedenen Übungsformen jedoch begrenzt.

Sherrington und Mitarbeiter veröffentlichten 2020 eine umfangreiche systematische Übersichtsarbeit zur Sturzprävention bei Menschen ab 65 Jahren. Insgesamt wurden 116 Studien mit 25160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Wirksamkeit gut konzipierter Bewegungsprogramme, insbesondere wenn Gleichgewicht und funktionelle Fähigkeiten trainiert werden.

Sassi und Mitarbeiter veröffentlichten 2024 eine Übersichtsarbeit zur häuslichen Schulterrehabilitation. In den untersuchten Programmen wurde unter anderem die Circumduktion des Arms eingesetzt. Der spezifische gesundheitliche Beitrag des Armkreisens wurde allerdings nicht isoliert untersucht.

Zu den relevanten Leitlinien gehört die Clinical Practice Guideline Rotator Cuff Tendinopathy von Desmeules und Mitarbeitern beziehungsweise JOSPT und APTA aus dem Jahr 2025. Die Leitlinie empfiehlt eine aktive Rehabilitation mit Übungen zur Bewegungskontrolle und oder Widerstandsübungen und stellt eine wichtige Grundlage für die moderne Schulterrehabilitation dar.

Eine weitere wichtige Quelle ist die deutsche S3 Leitlinie Nicht spezifische Nackenschmerzen der DEGAM und AWMF aus dem Jahr 2025. Sie empfiehlt körperliche Aktivität und Bewegungstherapie, ohne Armkreisen als spezifisch überlegene Übungsform hervorzuheben.

Ergänzend sind die Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour der Weltgesundheitsorganisation relevant. Diese enthalten evidenzbasierte Empfehlungen zu körperlicher Aktivität für Erwachsene, ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Sie verdeutlichen, dass eine einzelne Mobilisationsübung wie Armkreisen kein vollständiges Ausdauer, Kraft oder Gleichgewichtstraining ersetzen kann.

Quellenangeben/Auflistung:

Ginn & Cohen, 2005 – Exercise therapy for shoulder pain aimed at restoring neuromuscular control. RCT mit 138 Personen; zeigt Nutzen aktiver neuromuskulärer Schultertherapie, untersucht aber kein isoliertes Armkreisen.

Dubé et al., 2023 – Motor-Control-/Krafttraining bei Rotatorenmanschetten-Schmerz. RCT mit 123 Erwachsenen; keine klinisch relevanten zusätzlichen Effekte gegenüber Edukation allein.

Buccioli et al., 2025 – Propriozeptives plus Krafttraining. RCT mit 70 Personen; zusätzliche Propriozeptionsübungen waren hinsichtlich Schmerz und Behinderung nicht überlegen.

Turgut et al., 2017 – Scapula-Stabilisierung bei subakromialen Beschwerden. RCT; progressive Bewegungstherapie senkte Schmerz und Behinderung, spezifische Scapulaübungen veränderten zusätzlich die Kinematik.

Schrieks et al., 2011 – Arm-Ergometrie versus Laufband. Physiologische Vergleichsstudie zu VO₂, Herzfrequenz und Ventilation; nützlich zur Einordnung, warum intensive Armarbeit kardiorespiratorisch wirkt, aber nicht direkt auf leichtes Armkreisen übertragbar ist.

Systematische Reviews

Chen et al., 2024 – Scapulatherapie bei chronischem Nackenschmerz. Metaanalyse von acht RCTs; moderater Beleg für Schmerzreduktion, kein überzeugender Effekt auf die Behinderung.

Lafrance et al., 2024 – Bewegungstherapie bei rotatorenmanschettenbezogenem Schulterschmerz. Systematische Evidenzsynthese; Motor-Control-Übungen möglicherweise geringfügig besser als unspezifische Übung, insgesamt begrenzte Unterschiede zwischen Übungsformen.

Sherrington et al., 2020 – Bewegung und Sturzprävention ab 65 Jahren. 116 Studien mit 25.160 Teilnehmenden; starke Evidenz für gut konzipierte, insbesondere balance- und funktionsorientierte Trainingsprogramme.

Sassi et al., 2024 – Home-based shoulder rehabilitation. Der Review nennt Arm-Circumduktion als Bestandteil einiger Programme; der spezifische Beitrag dieser Übung wurde nicht isoliert.

Leitlinien und Fachorganisationen

Desmeules et al./JOSPT–APTA, 2025 – Clinical Practice Guideline Rotator Cuff Tendinopathy. Empfiehlt aktive Rehabilitation mit Motor-Control- und/oder Widerstandsübungen mit Empfehlungsgrad A; zentrale Quelle für Schulterrehabilitation.

DEGAM/AWMF, S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, 2025. Deutsche Leitlinie; empfiehlt körperliche Aktivität und Bewegungstherapie, ohne Armkreisen als spezifisch überlegene Übungsform herauszustellen.

WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour. Evidenzbasierte Empfehlungen zu Umfang und Art körperlicher Aktivität für Erwachsene, ältere Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen; wichtig zur Einordnung, dass Armkreisen allein kein vollständiges Ausdauer-, Kraft- oder Sturzpräventionsprogramm darstellt.